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Wo bleibt die Transparenz? Bericht über die Lieferkette in der indischen Textilbranche

2013-03-22-India-Austin-Yoder[22.03.2013]

In ihrem neuesten Bericht ‚Time for Transparency’ über die indische Textil- und Bekleidungsindustrie rufen das Centre for Research on Multinational Corporations (SOMO) und das India Committee of the Netherlands (ICN) zu grundlegender Transparenz in der Lieferkette der Textilbranche auf. SOMO und ICN vertreten die Auffassung, dass nur durch Offenlegung von Informationen bezüglich Unternehmensstruktur, Beschäftigung und Sorgfaltspflicht den Beschäftigten entlang der Lieferkette die Möglichkeit gegeben wird, Menschenrechtsverletzungen anzusprechen und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Derzeitiges Transparenzniveau
In der Textil- und Bekleidungsindustrie in Tamil Nadu gehören Kinderarbeit, erzwungene Überstunden, Kastendiskriminierung und gefährliche Arbeitsbedingungen zum Alltag. Da die Arbeiter_innen in den Fabriken meist aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammen und zu der Kaste der Unberührbaren gehören, haben sie oft nicht die Möglichkeit für ihre Rechte einzustehen. Darüber hinaus können Gewerkschaften kaum Einfluss nehmen. Produzenten und Käufer in Europa wissen um die Situation in den Fabriken, handeln bisher jedoch nicht.
Sowohl auf der Seite der Einzelhändler als auch auf der Seite der Produzenten mangelt es an Transparenz. Die CSR-Berichte (Corporate Social Responsibility) der Käufer lassen beispielsweise Details über die Produktionsstätten der Waren außer Acht. Auch Ergebnisse von Fabrikprüfungen und mögliche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen vor Ort werden nicht veröffentlicht.

Ebenso wenig informieren die Produzenten über ihre Lieferanten, wie Garnspinnereien und Baumwoll-Zulieferer. Detaillierte Informationen rund um die Fabrikarbeiter_innen (Beschäftigungszahlen, Rekrutierungsmaßnahmen, Unterbringung etc.) sind ebenfalls schwer zu bekommen.
In den meisten Fällen werden die Details zu Lieferketten als vertrauliche Unternehmensinformationen deklariert, deren Veröffentlichung einen Nachteil gegenüber den internationalen Konkurrenten im Bekleidungssektor bringen könnte. Viele Unternehmen beschreiben den Bekleidungssektor als komplexe Lieferkette, was es ihnen erschwert, Lieferanten zu kontrollieren. Ein derartiger enormer administrativer Aufwand könne oft von kleinen bis mittelgroßen Unternehmen nicht geleistet werden. Um dieser Situation entgegen zu wirken, empfehlen SOMO und ICN den Käufern die Anzahl ihrer Zulieferer zu begrenzen und dauerhafte Handelsbeziehungen zu pflegen.
SOMO und ICN unterstreichen, dass Transparenz allein nicht ausreicht, um Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Es ist aber ein erster Schritt. Darüberhinaus muss den verschiedensten Stakeholdergruppen (wie Fabrikarbeiter_innen, Konsument_innen, zivilgesellschaftlichen Organisationen) der Zugang zu den Informationen gewährleistet wird.

Kennen und benennen
Auch die Empfehlungen von OECD, UN und Europäischer Kommission fordern die Unternehmen auf, negative Entwicklungen in ihrer Lieferkette zu identifizieren, zu verhindern und zu mindern. Die UN Leitprinzipen für Wirtschaft und Menschenrechte (Guiding Principles for Business and Human Rights (UNGP)) unterstreichen beispielsweise die Verantwortung der Unternehmen Menschenrechte zu achten und erwarten eine Sorgfaltspflicht von Unternehmen.
Der Bericht ‚Time for Transparency’ benennt auch positive Beispiele für Unternehmenstransparenz. Demnach legen eine handvoll Bekleidungsunternehmen (Nike, Adidas, Patagonia, Levi’s und Timberland) Informationen über ihre Erstlieferanten offen. SOMO und ICN liefern in ihrem Bericht Argumente für eine Verbesserung der Transparenz von Lieferketten und benennen, welche Informationen öffentlich zugänglich gemacht werden müssen. Dazu gehören unter anderem Im- und Exportangaben über spezielle Produktgruppen der relevanten Häfen, Ergebnisse von Fabrik-Audits und Auskünfte über Verbesserungsmaßnahmen sowie Informationen über Käufer-Zulieferer-Beziehungen.

 

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