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adidas
Die Kritik an den Arbeitsbedingungen bei den adidas-Zulieferern hat beim zweitgrößten Sportartikelhersteller der Welt hektische Aktivitäten ausgelöst: Das Unternehmen stellte einen Weltdirektor für soziale Fragen ein, der heute einer Abteilung mit 30 MitarbeiterInnen vorsteht, und verabschiedete einen Verhaltenskodex, der auch vage Formulierungen zu existenzsichernden Löhnen enthält. Zudem wurde adidas Mitglied bei der Fair Labor Association (FLA).
Mehrmals führte die Kampagne mit adidas Verhandlungen über ein Pilotprojekt zur unabhängigen, lokalen Kontrolle von Zulieferern in Mittelamerika, bei denen unmenschliche Arbeitsbedingungen aufgedeckt wurden. Doch das Ergebnis war jedes Mal negativ: adidas ist nicht bereit, gemeinsam mit der Kampagne über Pilotprojekte in Mittelamerika erste Schritte zum Aufbau eines Systems unabhängiger, lokaler Kontrolle von Mindeststandards zu unternehmen.
Die CCC war bei der adidas Hauptversammlung am 10. Mai präsent und kritisierte die anhaltenden Arbeitsrechtsverletzungen in den weltweiten adidas-Zulieferfabriken. CIR-Mitarbeiter Maik Pflaum forderte adidas auf, endlich in den Nothilfefonds für die entlassenen Hermosa-GewerkschafterInnen einen ernstzunehmenden Betrag einzuzahlen.
Der Fall Hermosa
Seit über zwei Jahr kämpfen die ArbeiterInnen von »Hermosa Manufacturing« in El Salvador für ihre Rechte. Bis zur Fabrikschließung im Mai 2005 haben sie für Markenkonzerne genäht, u.a. für adidas und Reebok. Nachdem sie im April 2005 eine Gewerkschaft gegründet hatten, um sich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen zu wehren, wurden sie suspendiert - ohne die gesetzlichen Abfindungen. Selbst die letzten Lohnzahlungen blieb die Fabrik ihnen schuldig. Der Fabrikbesitzer, Salvador Montalvo, hat den ArbeiterInnen seit 1996 die Sozialbeiträge vom Lohn abgezogen, aber nicht an die Rentenkasse und das Gesundheitssystem abgeführt. Die Summe beläuft sich auf 353.000 US-Dollar, die er den ArbeiterInnen gestohlen hat. Hinzu kommen Löhne, Entschädigungen, Prämien, Urlaubsgeld, etc., die er den ArbeiterInnen noch schuldet.
Die ArbeiterInnen sind seit Mai 2005 ohne Lohn, wegen der Gewerkschaftsgründung finden sie auch in anderen Fabriken keine Anstellung mehr. Sie mussten sich und ihre Familien teilweise hoch verschulden, um die Monate ohne Lohn zu überstehen. Da die Sozialbeiträge nicht abgeführt wurden, stehen sie ohne Rentenanspruch und ohne gesundheitliche Versorgung da.
Die Verantwortung von adidas
Seit dem Jahr 2000 hat die CCC adidas mit den Problemen in Hermosa konfrontiert – z. B. mit der Aktion »Rote Karte für adidas« im Jahr 2000 oder mit Redebeiträgen durch CIR-Mitarbeiter bei Aktionärsversammlungen. Heute will der Konzern von all dem nichts gewusst haben – eine Mitverantwortung für die Missstände in Hermosa lehnt adidas ab. Die CCC unterstützt die Forderung der ArbeiterInnen und fordert von adidas und den anderen Konzernen, die in Hermosa Jahre lang produzieren ließen, dass sie die ArbeiterInnen für den entstandenen Schaden entschädigen. Alleine adidas hat nach eigenen Angaben 35 Fabrikkontrollen in Hermosa durchgeführt – und keine Probleme festgestellt. Derlei Kontrollen und der adidas-Verhaltenskodex vermitteln den KonsumentInnen, dass der Konzern auf die Einhaltung der Arbeitsrechte achtet. Der Fall Hermosa zeigt aber, wie wenig die Kontrollen geeignet sind, die ArbeiterInnen vor brutaler Ausbeutung zu schützen.