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[13.08.2008 | Sonstiges Material | Film/DVD]

Wer bezahlt meine Kleidung?

CHINA BLUEWer stellt unsere Kleidung her? Wer trägt die Kosten für Discountkleidung zum kleinen Preis? Wie sieht eine Kleidungsfabrik von innen aus? Der Dokumentarfilm CHINA BLUE beantwortet all diese Fragen auf atemberaubende Weise.

CHINA BLUE porträtiert einen entscheidenden Lebensabschnitt der 17-jährigen Jasmin.

JasminAls sich Jasmins Eltern entscheiden, ihre Schwester auf ein Gymnasium zu schicken ist klar, dass Jasmin, die Protagonistin, fortan arbeiten muss. Es ist der Familie nicht möglich, beiden Kindern eine vollständige Schulbildung zu ermöglichen. Aufgrund dessen muss Jasmin von nun an ihre Familie finanziell unterstützen, um ihrer Schwester die Zukunft zu ermöglichen, von der sie selbst nur träumen darf. Die Jugendliche verlässt ihre Heimat, um in einem anderen Teil Chinas Arbeit zu finden. Schließlich findet sie Arbeit bei Lifeng, einer Jeansfabrik. Jasmin ist noch naiv und aufgeregt, als sie bei Lifeng anfängt. Mit der Zeit verliert sie jedoch aufgrund der miserablen Arbeitsverhältnisse all ihre Illusionen. Der Regisseur und Kameramann Micha X. Peled stellt sich selbst den Anspruch, der Welt das zu zeigen, was ihr von den großen Kleidungs- und Markenunternehmen vorenthalten wird. Dies sind die Arbeitsbedingungen derer, die unsere Kleidung produzieren. Wird der Dokumentarfilm Peleds Anspruch gerecht?

Fabrik LifengDie Dokumentation gestattet dem Publikum einen einzigartigen Einblick in die Arbeitsverhältnisse chinesischer Bekleidungsfabriken. Durch wechselnde Drehorte entwickelt sich die Dokumentation von einem Werk, das vornehmlich die Arbeitsverhältnisse in einer chinesischen Jeansfabrik dokumentiert, zu einem Film, der gleichsam Lebensverhältnisse in China porträtiert. So wechselt die Handlung in den ländlichen Raum, als eine Kollegin von Jasmin nach Hause reist, um ihren Eltern ihre große Liebe vorzustellen. Der Dokumentarfilm greift soziale Missstände innerhalb und außerhalb der Fabrikmauern auf.

Peled legte sich darauf fest, das Leben einer neuen, jungen Arbeiterin zu porträtieren, um den Einfluss, den die Fabrik auf das Leben der Angestellten hat, zu visualisieren. Tränen, Gelächter, Wutausbrüche, Enttäuschung, Hoffnungen, Wünsche und Fantasien machen die Dokumentation emotionsgeladen und spannend. Durch Jasmins Leidenschaft, Geschichten zu schreiben, sowie ihre geäußerten Wünsche und Träume, kann Peled den Kontrast zwischen der Situation, in welcher Jasmin gerne leben würde, und der Realität gut fest halten.

Die Realität in der Jeansfabrik Lifeng ist geprägt durch lange Arbeitszeiten, Demütigungen und karge Löhne. Manchmal sind die Schichten so lange, dass die Näher_innen ihre Augenlieder mit Wäscheklammern fixieren, um länger wach bleiben zu können. Einschlafen ist bei Strafe verboten. Aufseher sowie Kameraüberwachung sollen sicher stellen, dass Vergehen gesehen und bestraft werden. Vergehen sind beispielsweise: das Einlegen von mehr als zwei Toilettenpausen während einer 20-Stunden-Schicht, das Verlassen der Fabrik und lautes Lachen. Die billig zubereiteten Mahlzeiten, die es in der Fabrik gibt, sowie das Wasser, welches die Arbeiter_innen zum Waschen verwenden, werden ihnen vom kargen Lohn abgezogen. Die wenigen Pausen werden genutzt, um Schlaf nachzuholen oder Hausarbeiten zu verrichten, da diese sonst nach den ermüdenden Schichten erledigt werden müssen.

»Manchmal schleichen sie sich abends heimlich aus der Fabrik,
um Energietee zu kaufen, weil sie so erschöpft sind (...)
Wenn sie beim Verlassen der Fabrik erwischt werden,
müssen sie 20 Yuan Strafe zahlen. Das sind zwei Wochen Arbeit.«

sagt Yang Chin, ehemalige Aufseherin in einer Jeansfabrik.

CHINA BLUEDer von den Abnehmer_innen der Jeansfabrikate erzeugte Konkurrenzdruck zwingt den Fabrikbesitzer Lam dazu, immer mehr Leistung aus seinen Arbeiter_innen herauszupressen. Durch die Aufnahme eines Verkaufsgespräches zwischen Fabrikbesitzer und Abnehmer erhalten die Zuschauer_innen Einblicke in ein Geschäftsmodell, in dem Preise diktiert und nicht verhandelt werden. Jasmin veranschaulicht somit nicht nur die Lebens- und Arbeitsbedingungen bei Lifeng, sondern die Arbeitsbedingungen eines ganzen Produktionsfeldes, das sich weit über die Grenzen Chinas erstreckt. Trotz allem gehört Lifeng im Vergleich mit anderen Fabriken zu den Besseren, bezüglich der Wahrung von Sozial- und Arbeitsstandards.

CHINA BLUEDie Dokumentation besticht durch die unverschönerte Darstellung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Näher_innen innerhalb und außerhalb der Fabrik. Dies ist besonders hervorzuheben in Anbetracht dessen, dass die Drehbedingungen in China extrem schwierig waren. Micha X. Peled hatte keine Drehgenehmigung für China. Dies führte zu mehreren Verhaftungen von Mitgliedern der Filmcrew. Teilweise ist der Film deshalb mit versteckter Kamera gedreht. Die Dreherlaubnis im Inneren der Fabrik erlangte Peled durch einen Trick: Er überzeugte den Fabrikbesitzer davon, einen Werbefilm über die Fabrik drehen zu wollen. Guo Xi Lam willigte erfreut ein. Somit musste Peled Lam, nach Abschluss der Dreharbeiten, einen Werbefilm zeigen. Dieser Film sowie umfassendes Bonusmaterial befinden sich auf der DVD.

Das komplette Bonusmaterial der DVD:

Bonusmaterial

CHINA BLUE ist packend, regt zum Nachdenken an und ist ein absolutes Muss für jede_n, die/der die ungeschminkte Wahrheit über die Arbeits- und Lebensverhältnisse derer erfahren möchte, die unsere Kleidung herstellen. Dem gestellten Anspruch, dem Publikum die Welt auf der anderen Seite des Kleidungskonsums zu zeigen, wird die Dokumentation in vollem Maße gerecht.

Der Fernsehsender 3sat schreibt über CHINA BLUE:

»Wer sich das nächste Mal über eine drohende Erhöhung der Mehrwertsteuer, einen Anstieg der Krankenkassenbeiträge oder zu viele Überstunden aufregt, sollte sich unbedingt CHINA BLUE (....) anschauen. Der Einblick in das tägliche Leben von Jasmin und ihren Freundinnen kann schnell dazu beitragen, die eigenen, erheblich banaleren Ärgernisse ins richtige Licht rücken.« (http://www.3sat.de/3sat.php? http://www.3sat.de/denkmal/internet/99300/index.html)

Der Dokumentarfilm ist ohne Altersbeschränkung frei gegeben, 88 Minuten lang und Englisch und Kantonesisch mit deutschem Untertitel. Er ist für 7 Euro bei INKOTA erhältlich.

Für Bestellungen wenden Sie sich bitte an unten stehende E-Mail Adresse:

cccprojekt@inkota.de

INKOTA-netzwerk e.V.
Chrysanthemenstr. 1-3
10407 Berlin
Tel.: 030 - 4208202-0
Mail: cccprojekt@inkota.de
www.inkota.de

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