Musterbrief an Aldi zu BSCI
Seit März 2008 versendet Aldi Süd ein Antwortschreiben an jene VerfasserInnen von Protestmails und –Briefen, die sich kritisch gegen die Arbeitsrechtsverletzungen bei Textilzulieferern in China geäußert und das Unternehmen zu umfassenden und wirksamen Schritten einer globalen Sozialverantwortung aufgefordert haben. Insbesondere haben sie auf die Unzulänglichkeiten der „Business Social Compliance Initiative“ (BSCI) hingewiesen, in der Aldi Anfang 2008 Mitglied geworden ist …
Musterbrief an Aldi zu BSCI
Sehr geehrte/ …,
vielen Dank für Ihre Antwort vom …, in der Sie die Vorzüge der „Business Social Compliance Initiative“ (BSCI) hervorheben und meine Kritik an den Mängeln dieser Einrichtung zu entkräften suchen. Ihre Argumente haben mich jedoch nicht überzeugt.
Obwohl ich einen Sektor-weiten Ansatz, wie ihn die BSCI mit über 100 multinationalen Mitgliedsunternehmen verfolgt, im Grundsatz begrüße, sehe ich jedoch einen gravierenden Unterschied zu einer Einrichtung, die den Anforderungen einer tatsächlich unabhängigen Verifizierung entspricht.
In einer solchen Einrichtung sind auf allen Entscheidungsstufen sowohl Unternehmen als auch zivilgesellschaftliche Organisationen gleichberechtigt vertreten. Die BSCI-Führung liegt jedoch in den Händen von Unternehmen. Die Beauftragung externer AuditorInnen und deren punktuelle Zusammenarbeit mit ArbeitnehmervertreterInnen und NROs ändert nichts an dieser Leitungsstruktur, ebenso wenig wie Beiräte mit VertreterInnen der Zivilgesellschaft, denen eine Beratungsfunktion zukommt. Die BSCI ist deshalb eher eine unternehmensinterne Kontrolleinrichtung, deren Aufgabe eine Voraussetzung für eine unabhängige Verifizierung ist.
Meine Aufforderung an Aldi, einer solchen unabhängigen Verifizierungseinrichtung wie z.B. der Fair Wear Foundation mit Sitz in Amsterdam beizutreten, halte ich deshalb aufrecht.
Die Ausführungen zu Ihrer Einkaufspraxis sind m.E. pauschal und wenig überzeugend. Neben der SÜDWIND-Studie zu den Arbeitsbedingungen bei Ihren Zulieferern in China vom Mai 2007 gibt es zahlreiche weitere Forschungsergebnisse aus den letzten Jahren, in denen eine Normalität von Arbeitsrechtsverletzungen in Produktionsländern von Bekleidung wie China geschildert wird. Es bedarf also im Rahmen einer unabhängigen Verifizierung konkreter Nachweise sozialverträglicher Preisgestaltungen und Lieferfristen, mit denen Ihr Anspruch von Partnerschaftlichkeit gegenüber Lieferanten überprüfbar gemacht werden müsste.
Mit freundlichen Grüßen