Neue SÜDWIND-Studie:
All die Textilschnäppchen – nur recht und billig?
Arbeitsbedingungen bei Aldi-Zulieferern in China und Indonesien
Siegburg, 8.5.07: Der größte deutsche und europäische Discounter Aldi verkauft Textilschnäppchen zu einem hohen Preis: In seiner heute erschienenen Studie weist das SÜDWIND-Institut nach, dass bei chinesischen und indonesischen Aldi-Zulieferern Arbeitsrechte in bisher kaum bekannten Ausmaß verletzt werden. Ingeborg Wick, Autorin der Studie, fordert daher eine sofortige Änderung der Beschaffungspolitik des Konzerns, nicht zuletzt durch staatliche Rahmenbedingungen, wie sie das G8-Treffen in Dresden zur Zeit diskutiert.
In China schleichen sich Beschäftigte nachts heimlich aus den Fabrik-Schlafsälen, weil sie befürchten, vom Management keine Erlaubnis zur Kündigung zu erhalten. Wochenlang müssen sie auf ihre Löhne warten. Schulen kassieren von den Fabriken Gelder für die Vermittlung von minderjährigen Beschäftigten.
»Mit Beispielen wie diesen«, so Ingeborg Wick, »wird der Arbeitsalltag von Beschäftigten in chinesischen Bekleidungsfabriken und keineswegs eine Ausnahmesituation beschrieben.«
Zum ersten Mal wird mit dieser Studie das Textilgeschäft des Discount-Pioniers Aldi untersucht. Nach zahlreichen Forschungen zur globalen Beschaffung von Markenunternehmen und Textileinzelhändlern wie adidas, Otto und KarstadtQuelle in den letzten Jahren widmet sich das SÜDWIND-Institut damit der Rolle von Discountern im weltweiten Wettbewerb dieser Branche.
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit sind Discountunternehmen in den letzten Jahren auf die Spitzenplätze des Textileinzelhandels in Deutschland vorgerückt. Zum Grundkonzept von Discountern gehört die drastische Kosteneinsparung beim Personal - sowohl in hiesigen Filialen als auch in globalen Zulieferbetrieben.
Zusammen mit der Kampagne für Saubere Kleidung plant SÜDWIND in den kommenden Monaten öffentliche Aktionen zu Aldi. Diese richten sich an die Adresse der Unternehmensgruppe und politischer EntscheidungsträgerInnen mit dem Ziel einer ethischen Beschaffungspraxis von Unternehmen. In einer ersten Stellungnahme zu den Forschungsergebnissen der SÜDWIND-Studie zeigt sich Aldi dialogbereit. »Ob diese Bereitschaft zu Einkaufspraktiken führt«, so Ingeborg Wick, »die eine Einhaltung grundlegender Sozialstandards erlauben, wird sich zeigen.«
(»All die Textilschnäppchen – nur recht und billig? Arbeitsbedingungen bei Aldi-Zulieferern in China und Indonesien. Aktionsvorschläge für VerbraucherInnen und GewerkschafterInnen«, von Ingeborg Wick, hg. SÜDWIND Institut für Ökonomie und Ökumene, Siegburg 2007. Die Studie wurde finanziell gefördert von der NRW-Stiftung für Umwelt und Entwicklung.)Kontakt: Ingeborg Wick, Tel. 02241 / 259530. E-mail: wick@suedwind-institut.de
Download der Studie:
http://www.suedwind-institut.de/downloads/ALDI-Broschuere_dl.pdf
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